Eine Sexualtherapie hilft bei Störungen, die sich im Sexualverhalten und/oder im sexuellen Erleben zeigen.
Als Störung werden Ausprägungen des Sexualverhaltens bzw. des sexuellen Erlebens bezeichnet, die durch den Betroffenen selbst als „Störung“ empfunden werden. Dabei ist es möglich, dass eine derartige Störung nicht als solche erkannt werden kann, weil der Betroffene sich der möglichen Qualität sexueller Entfaltung nicht bewusst ist. Darüber hinaus kann z. B. ein Leidenszustand aufgrund von Partnerlosigkeit als Störung empfunden werden, ein bewusster Verzicht auf einen Partner wird hingegen nicht als Störung eingeschätzt. Insofern der Betroffene seine sexuellen Neigungen bzw. das daraus resultiere Verhalten nicht als Störung empfindet, aber Partner bzw. Gesellschaft diese Vorlieben anders bewerten, so kann dieser Konflikt als Störung wahrgenommen werden. Die angeführten Punkte erschweren eine Darstellung der Verbreitung von sexuellen Störungen.
Grundsätzlich können fünf Ebenen von Ursachen unterschieden werden:
- frühkindliche Störungen
- verletzende Erfahrungen
- Beziehungsprobleme in der Partnerschaft
- konkurrierende Normen
- körperliche Probleme
Meistens sind mehrere Ursachen an der Entstehung einer sexuellen Störung beteiligt, die alle über den Hypothalamus und das lymbische System wirken („Sex entsteht im Gehirn“). Je nachdem, auf welcher Ebene die Störung hauptsächlich begründet ist, ist eine andere Therapie erforderlich.
Entsprechend wichtig ist eine sorgfältige Untersuchung und Diagnose. Diese wird von einem Sexualtherapeuten durchgeführt, meist in einem mehrstündigen Gespräch mit dem Betroffenen und auch mit dessen Partner. Sexualtherapeuten arbeiten oft in einer sexualtherapeutischen Ambulanz oder Beratungsstelle. Nicht speziell ausgebildete Sexualtherapeuten verzichten oft auf eine Diagnose und richten sich ungeachtet der Ursache nur nach den vorhandenen Beratungs-Kenntnissen. Also werden lediglich die Erscheinungsformen erfragt und aufgelistet.
Zur Verbesserung des Sexuallebens im Alltag gibt es viele Möglichkeiten. Die bekanntesten sind: Gesprächstraining (Moeller), Partnerschaftseminare, Tantraseminare, Massageworkshops oder einfach ein abwechslungsreicheres Programm (erotische Massage, Verwöhn- und Wunsch-Tage, Phantasien erzählen und umsetzen, erotische Filme, Rollenspiele, ungewöhnliche Orte und vieles mehr).
Klassische Psychotherapie ist notwendig zur Behandlung von frühkindlichen Störungen, also immer dann, wenn der oder die Betroffene als kleines Kind zuwenig Zuwendung und Nähe erfahren hat oder in diesem Alter verletzt wurde. Geeignete Verfahren sind Tiefenpsychologie, Gestalttherapie, Bioenergetik, Casriel-Therapie, Holotropes Atmen und ähnliche kathartische Methoden. Es ist aber notwendig, dass gleichzeitig die funktionale Störung des Sexualverhaltens praktisch übend angegangen wird.
Bei tiefen Verletzungen, z. B. durch sexuellen Missbrauch, muss, bevor an der traumatischen Erfahrung gearbeitet werden kann, erst die dafür notwendige innere Distanz und innere Stärke aufgebaut werden. Dazu eignet sich z. B. die Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie.
Die Sexualtherapeuten Masters und Johnson entwickelten praktische Übungen und arbeiteten direkt am Sexualverhalten des Betroffenen. Solche verhaltensorientierten und Paar-orientierten Übungen sind heute Bestandteil jeder guten Sexualtherapie. Bei den Übungen werden die Partner des Klienten als Hilfstherapeut eingesetzt. Dabei geht es um grundlegendes Wissen über den Körper und die sexuelle Energie, um die eigene Wahrnehmung über sich selbst und um die eigene Lust, die oft neu entdeckt werden muss. Es geht dabei auch um die Wahrnehmung des Partners und dessen Lust, um den Ausdruck von Wünschen und Gefühlen und das gemeinsame Gespräch, um Erfahrung und Übung von Atem, Berührung, Massage, Erregung und Erleben des Höhepunktes.
Systemische Paartherapie arbeitet an der Beziehung des Paares. Sexuelle Störungen können eine direkte Folge von Paarkonflikten sein. Auf jeden Fall aber haben sie direkte Auswirkungen auf die Paarbeziehung. So entsteht ein dichtes Netz von Wechselwirkungen, die sich gegenseitig aufschaukeln können und in der Therapie wieder entwirrt werden müssen. Zwischen den Sitzungen erhalten die Paare Hausaufgaben, um Gelerntes zu üben und neue Erfahrungen zu machen.
Besonders erfolgreich sind übergreifende integrierte sexualtherapeutische Verfahren, bei denen analytische, systemische, verhaltenstherapeutische und kathartische Methoden verbunden und die Sexualpartner in die Therapie einbezogen werden, oft ergänzt durch Selbsterfahrung in tantrischen und therapeutischen Gruppen. Integrierte Ansätze sind in den USA verbreitet, in Deutschland noch selten.
Für Klienten ohne Sexualpartner arbeiten einzelne Sexualtherapeuten mit Prostituierten mit therapeutischer Kompetenz als Ersatzpartner zusammen. Sexueller Kontakt zwischen Therapeut und Klient wird von den Standesorganisationen als Missbrauch verurteilt und ist in vielen Ländern strafbar (Schweiz: Art. 193 Abs. 1 StGB, Deutschland: § 174 c StGB). Nur wenige Therapeuten erfüllen gleichzeitig die Rolle als Therapeut, Lehrer und Übungspartner. Die Bedeutung körperlicher Erfahrung und körperlicher Begegnung in der Therapie wird aber zunehmend erkannt.
In der Urologie werden Sexualstörungen meist als „Funktionsstörung“ betrachtet. Urologen sind spezialisiert auf chirurgische, medikamentöse und Hormon-Behandlung (beispielsweise Prostata-Operation, Sildenafilbehandlung, Testosteronbehandlung). Sexualtherapie gehört nur selten zum Angebot des Urologen.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin betrachtet man Sexualstörungen nach der Fünf-Elemente-Lehre als Folge von „Schwäche des Nieren-Yang“ verbunden mit einem „Leber-Qi-Syndrom“ (wie auch die Depression) und behandelt mit entsprechender Akupunktur und Ernährungsverschreibungen (Zinkmangel = Testosteronmangel).
Quelle: www.wikipedia.de
Autoren: Markus Bärlocher, Gancho, Papa1234, Polarys, HaSee u.a.
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